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Activating Women`s Potential for Entrepreneurship Drucken

01.08.2007 

Ladies First - Die Biographie der Gründerin:
Ein spannendes Forschungsprojekt

"Das Projekt hat das Ziel, einen biographischen Fragebogen zu entwickeln, der auf der Basis des Lebenslaufs der Gründerin eine objektive Erfolgsprognose erlaubt." So weit die Flyer-Aussage.
Hinter diesem hochambitionierten Ziel steht ein hochrenommierter Name: Prof. Dr. Heinz Klandt, Inhaber des ersten deutschen Lehrstuhls für Entrepreneurship, eine Stiftung der KfW und Präsident des Förderkreis Gründungs-Forschung (FGF).

In seinem empirischen Gründungsforschungs-Institut "bifego e.V." möchte er mit den Psychologinnen Simone Chlosta und Dorothea Kissel bis zum Sommer 2009 Fachleuten der Gründungsberatung und Gründungsfinanzierung, aber auch den Gründerinnen selbst ein kraftvolles Instrument an die Hand geben.

Gefördert wird "Ladies First - women way for entrepreneurship" vom Bundesbildungs- und Forschungsministerium innerhalb der ministeriellen Initiative "Power für Gründerinnen! Maßnahmen zur Mobilisierung des Gründungspotentials von Frauen."

Die Redaktion sprach darüber mit Simone Chlosta und Dorothea Kissel:

AWoPE-News: Wie ist die Idee, auf Basis der Biographie den Gründungserfolg vorhersagen zu können, entstanden?

Simone Chlosta:
Ein zündender Gedanke kam aus der methodischen Ecke: Der Biographische Fragebogen hat sich dort als sehr verlässliches Instrument in der Vorhersage des Berufserfolgs etabliert. Auch da er sich (bewussten oder unbewussten) Verfälschungen entgegenstellt. Denn Fakten können im Gegensatz zu Meinungen oder Empfindungen gut erinnert werden. Und vergangenes Verhalten hat starke Prognosekraft für zukünftiges Verhalten, auch bei einer Gründung. Daher wagten wir den Transfer zur unternehmerischen Selbständigkeit. 

Was ist das Ziel der Methode "Biographischer Fragebogen"?

Simone Chlosta: Dieser Fragebogen ergänzt die Instrumente der Beratungspraxis. Bei Business Plänen und klassischen Lebensläufen haben wir den Eindruck, dass Frauen oftmals schlechter abschneiden als Männer, etwa, wenn die Berufsbiographie durch Kinder unterbrochen ist. Es musste etwas her, dass mehr Informationen als der "Curriculum Vitae" liefert, dass die Fragen nach dem "Warum" beantwortet und etwaige Lücken schließen kann.


Zur Biographie eines Menschen gehören ja alle möglichen Lebensbereiche. Können Sie die denn alle berücksichtigen?

Dorothea Kissel: Nein. So ist es nicht vertretbar, die frühe Kindheit zur Prognose heranzuziehen. Das ist zu subjektiv und persönlich. Allerdings gibt es Hinweise, dass etwa das frühe Verhältnis zu den Eltern Aufschlüsse auch für die Gründungsberatung gibt. Die Berater/innen müssten hier aber speziell geschult und die angehenden Gründerinnen mit der Erhebung dieser sensiblen Daten explizit einverstanden sein.

Die Biographie als Prognoseinstrument für Gründer/innen ist eher für Bereiche gedacht, die stärker selbstbestimmt sind. So fragen wir nach dem Umgang mit Situationen und nach Verläufen und Entwicklungen, nach der Schulzeit (ob jmd. eigenmotivierter Klassensprecher/in war), nach der Jugend (wann jemand ausgezogen ist und warum), den Zielen und deren Veränderung bzw. Entwicklung im Laufe des Lebens. Auch die Fragen nach der Ausbildung, nach Beruf und Arbeit, ob die erste Berufsentscheidung selbst getroffen wurde, was die wichtigsten Erfahrungen in den ersten beruflichen Tätigkeiten waren, auch mit Blick auf die heutige Selbstständigkeit, sind sehr relevant.

Wie ist die die Lebenserfahrung und das Krisenmanagement? So etwas ist im tabellarischen Lebenslauf ja nicht enthalten. Wenn zum Beispiel eine Frau neben Job und Kindern die kranken Eltern pflegt und das alles bewältigt, dann ist das mindestens genauso hoch zu bewerten wie eine zertifizierte Weiterbildung.

Simone Chlosta:
Was später im Instrument eingearbeitet wird, hängt davon ab, wie stark einzelne biographische Faktoren und der spätere Erfolg der Gründung zusammenhängen. Das können wir derzeit nicht absehen. Noch ist es zu früh, bestimmte Bereiche auszuschließen. Was wir in der Biographie letztlich berücksichtigen, ergibt sich aus der Synthese von Literaturanalyse und den Interviews mit Expert/innen der Beratungs- und Kreditinstitute und mit den Gründer/innen.


AWoPE-News: Gibt es bereits erste Ergebnisse?

Dorothea Kissel: Ja. Nach Meinung der Expert/innen haben Frauen besondere Stärken: Sie sind sehr diszipliniert in der Vorbereitung, sind offen für Empfehlungen und Ratschläge. Frauen überlegen länger als Männer, gehen weniger Risiko ein, in der Kreditrückzahlung erweisen sich dann aber zuverlässiger als Männer. Sie sind ehrlicher und realistischer, können Misserfolge und Unsicherheiten zugeben und reflektieren, also daraus lernen.

Dazulernen können Frauen aber auch in einigen Bereichen, so bei der Selbstdarstellung. Für die Expert/innen stellt ein beruflich unterbrochener Lebenslauf häufig kein Problem dar. Es kommt darauf an, mit den biographischen "Sollbruchstellen" selbstbewusst umzugehen. Dann neigen Frauen dazu, sich zu überfordern. Sie schonen sich zu wenig, delegieren nicht oder spät, etwa, um einen Fensterputzer zu engagieren. Das geht dann manchmal über die Kräfte.


AWoPE-News: Sind Sie bei Ihrer Arbeit auch schon auf das Thema "geschlechtergerechte Sprache" gestoßen?


Dorothea Kissel: Ja. Bei einem Internet-Test war die Antwortalternative zur Frage der Gründungs-Unterstützung im privaten Umfeld "Meine Frau steht hinter mir." Eine umgekehrte Formulierung war nicht zu finden.

 
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Kurzprofil

Unternehmerin:
Irmgard Förster
 
 Irmgard Förster
 

"Seit meinem 38. Lebensjahr war ich sportlich aktiv. Ich habe regelmäßig Fitness- und Gesundheitskurse in Sportvereinen und Organisationen geleitet."

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